BVK-Jahresstatistik 2006: Branche ist zufrieden

Positive Entwicklung bei Investitionen, Totalverluste weiter gesunken

Berlin, 20. Februar 2007 – Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben 2006 mit 3,6 Mrd. € rund 20 Prozent mehr investiert als im Vorjahr. Dabei stieg der Anteil der inländischen Investitionen in Deutschland gegenüber 2005 von 70,2 auf 90,5 Prozent. „Die erfreuliche Entwicklung des Investitionsvolumens ist maßgeblich auf ein Investitionsplus im Buy-out-Bereich zurückzuführen, der das Investitionsgeschehen nunmehr seit 2001 dominiert“, kommentierte Thomas U.W. Pütter, BVK-Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender der Geschäftsführung der Allianz Capital Partners GmbH, die Ergebnisse der Jahresstatistik 2006 auf der heutigen Pressekonferenz des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK).

Wachstumstreiber Buy-out-Finanzierungen

Das vierte Quartal 2006 war dank einiger größerer Einzeltransaktionen mit
2,2 Mrd. €, investiert in 390 Unternehmen, außerordentlich stark und ergab das höchste jemals erfasste Quartalsergebnis. Im Gesamtjahr investierten die Beteiligungsgesellschaften 3,6 Mrd. € in 970 Unternehmen (2005: 3,1 Mrd. € in 983 Unternehmen). Wie schon 2005 lagen die Investitionen dank des letzten Jahresquartals über den Gesamtinvestitionen der ersten drei Quartale des Jahres 2006. Dazu Pütter: „Wie in den Vorjahren erlebten wir auch 2006 einen Investitionssprung im letzten Quartal. Viele Transaktionen sollen noch vor dem Jahreswechsel abgeschlossen und damit dem laufenden Geschäftsjahr zugeordnet werden.“

Große Buy-out-Finanzierungen begünstigten mit 71,5 Prozent (2,6 Mrd. €; 92 Transaktionen) das gute Jahresergebnis und zogen im Vergleich zum Vorjahr (58,2 Prozent; 1,8 Mrd. €, 82 Transaktionen) weiter an. Rückläufig waren dagegen Venture Capital-Investitionen, sie fielen 2006 von 1,3 Mrd. € (2005) auf 1,0 Mrd. €. Innerhalb des Venture Capital-Bereichs schwächten sich auch die Early stage-Investitionen leicht ab von 304,9 Mio. € auf 264,3 Mio. €. BVK-Geschäftsführer Dr. Holger Frommann: „Trotz des Rückgangs im Venture Capital-Bereich erleben wir eine erfreuliche Renaissance der Seed-Investitionen, die sich zum Vorjahr fast verfünffacht haben.“ Das Beteiligungsportfolio stieg auf 23,1 Mrd. € (2005: 21,5 Mrd. €), investiert in 5.986 Unternehmen (2005: 5.723).

Bayern besonders investitionsstark

Wie in den Vorjahren profitierten aufgrund der regionalen Verteilung der Buy-outs insbesondere Bundesländer mit Konzernstandorten und einem ausgeprägten Mittelstand. So führt mit einem deutlichen Vorsprung Bayern die Rangliste mit 50,5 Prozent an, gefolgt von Baden-Württemberg mit 13,6 Prozent, Hessen mit 12,9 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 7,7 Prozent.

Das Gros der neuen Investitionen entfiel auf die Einzelbranchen Sonstige Dienstleistungen (42,7 Prozent), Maschinen-/Anlagenbau (18,5 Prozent), Eisen-Stahl/ Leichtmetall (5,5 Prozent) und Computer (4,3 Prozent). Auf Hightech-Branchen (Computer, Kommunikationstechnologien, Biotechnologie, Medizin) insgesamt entfielen 12,9 Prozent (2005: 28,2 Prozent) aller Investitionen, aber gut ein Drittel der finanzierten Unternehmen.

Fundraising nahezu unverändert

Das Fundraising erreichte im Jahr 2006 ein Volumen von 2,8 Mrd. € und veränderte sich damit gegenüber dem Vorjahr (2,9 Mrd. €) kaum. 65,8 Prozent der Mittel wurden von 26 Fonds im Rahmen des unabhängigen Fundraisings bei externen Investoren eingeworben. Der Löwenanteil der neuen Mittel entfiel wie in den vergangenen Jahren auf Buy-out-Fonds: 1,5 Mrd. € bzw. 52,5 Prozent.

Mehr als ein Drittel der neuen Mittel stammt von internationalen Kapitalgebern, was einen deutlichen Bedeutungszuwachs ausländischer Investoren im Vergleich zu den Vorjahren bedeutet (2005: 22,9 %, 2004: 19,3 %). „Deutsche Beteiligungsgesellschaften verstärken ihre Fundraising-Bemühungen im Ausland. Die Gesellschaften sind aufgrund der anhaltenden Zurückhaltung deutscher Investoren bei Private Equity-Engagements auf ausländisches Kapital angewiesen“, erklärte Frommann. Wichtigste Kapitalgeber waren Fund of Funds mit 19,1 Prozent, gefolgt von Privatanlegern (Einzelpersonen oder Family Offices) mit 17,9 Prozent. Erst dahinter folgen die großen institutionellen Anlegergruppen wie Kreditinstitute (13,4 Prozent) und Versicherungen (12,5 Prozent).

Abgänge nahezu auf Rekordwert – Totalverluste weiter gesunken

Die Abgänge erreichten mit 2.066,3 Mio. € fast den bisherigen Rekordwert des Jahres 2002 von 2.131,8 Mio. €. „Hier spiegelt sich die optimistische Entwicklung des Aktien- und M&A-Marktes wider“, so Pütter. „Zahlreiche Gesellschaften haben sich die vorteilhaften Bedingungen und die Kaufbereitschaft der Kapitalmarktteilnehmer zu Nutze gemacht, um ihre Beteiligungen zu veräußern.“

Die Totalverluste sanken aufgrund der guten gesamtwirtschaftlichen Lage und der abnehmenden Insolvenzzahlen von 10,3 Prozent im Jahr 2005 nochmals auf nunmehr 5,0 Prozent. Wie schon im Vorjahr entfiel das Gros der Exits auf Trade Sales (25,1 Prozent), Aktienverkäufe nach vorangegangenem Börsengang (19,2 Prozent) und Verkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften (29,0 Prozent). 15 Portfoliounternehmen gingen 2006 an die Börse, davon 9 in Deutschland.

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Beteiligungsgesellschaften finanzieren vor allem kleine und mittlere Unternehmen, weshalb vor allem Unternehmensgründungen und Mittelständler von Beteiligungskapital profitieren. Mehr als drei Viertel der 2006 finanzierten Unternehmen haben weniger als 100 Beschäftigte und 72 Prozent einen Umsatz von weniger als 10 Mio. €. Insgesamt erzielten die im Jahresverlauf 2006 erstmals oder wiederholt mit Private Equity finanzierten Unternehmen Gesamtumsätze von 47,3 Mrd. € und beschäftigten 288.500 Mitarbeiter. Alle erfassten Portfoliounternehmen im Bestand der Gesellschaften erwirtschafteten mit 962.400 Beschäftigten Umsätze von 188,5 Mrd. €. Dazu Frommann: „Sowohl bei den 2006 finanzierten Unternehmen als auch bei den Portfoliounternehmen schlägt sich die anhaltend hohe Zahl von Buy-outs nieder, da diese bei etablierten Unternehmen mit nachhaltigen Umsätzen und Beschäftigtenzahlen durchgeführt werden.“

Über den BVK
Der 1989 in Berlin gegründete Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK) ist die umfassende Organisation der deutschen und der in Deutschland tätigen Repräsentanten ausländischer Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Er hat die zentrale Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten und das öffentliche Bewusstsein zu Funktion und Bedeutung von Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Partner für Unternehmen, Initiatoren wirtschaftlichen Wachstums und Stabilitätsfaktor für die Wirtschaft Deutschlands zu fördern.

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Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)
Thomas U.W. Pütter, VorstandsvorsitzenderDr. Holger Frommann, Geschäftsführer
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